Profimusiker erklären Kindern ihren Job
Das Sinfonieorchester der Universität Hohenheim spielt vor rund 150 Grundschülern
in der Gerlinger Jahnhalle
Gerlingen. Der Dirigent gibt den Takt vor in der Gerlinger Jahnhalle. Das Sinfonieorchester
der Universität Hohenheim spielt auf sein Geheiß und nimmt die Kinder
mit in die Welt der Klassik.
Von Franziska Kleiner
Natürlich will das Orchester begrüßt werden. Würde aber jeder der 2500 Konzertbesucher in der Stuttgarter Liederhalle jedem Musiker auf der Bühne die Hand schütteln wollen, dann dauerte dies viel zu lange. "Grüß Gott, liebes Orchester, sagt man im Konzertsaal anders. Man applaudiert", erklärt der Dirigent Klaus Breuninger am Freitagnachmittag in der Jahnhalle. Rund 150 Grundschüler lauschen den Worten des Musikers, der mit dem Sinfonieorchester der Universität Hohenheim nach Gerlingen gekommen ist, um die kleinen Konzertbesucher in die Welt der klassischen Musik zu entführen.
Klaus Breuninger ist in Gerlingen kein Unbekannter. Der Sänger, Dirigent und Klarinettist hat im Jahr 1993 die Leitung des örtlichen Männergesangvereins übernommen, ein knappes Jahr später dirigierte er außerdem erstmals das Sinfonieorchester der Universität Hohenheim. Mit rund 20 der üblicherweise 35 Orchestermusiker ist er an diesem Nachmittag auf Einladung der lokalen Agendagruppe Gemeinsinn in Gerlingen erschienen. Möglich wurde das Konzert durch die Unterstützung der Stadt Gerlingen und der Ditzinger Firma Trumpf.
Die Musiker - bis auf den Dirigenten sind es Laien - sind allerdings nicht alleine gekommen. Sie haben einen echten Profi mitgebracht. Der Kontrabassist Axel Schwesig steht auf der Bühne und erklärt den Kindern sein Instrument. "Der tiefste Ton entsteht auf der dicksten Saite", sagt er. Dann zupft er auf ihr, klopft mit dem Bogen dagegen und lässt schließlich eine bekannte Volksweise erklingen. Viele der Kinder erkennen sie gleich. Schwesig, der Musiker des Radiosinfonieorchesters Stuttgart ist, spielt "Wir sind die Musikanten und komm"n aus Schwabenland". "Die Melodie wird ein wenig verändert sein, aber wenn ihr nachher genau hinhört, werdet ihr sie erkennen", erklärt Schwesig den Jungs und Mädchen, die zuvor gestaunt haben, wie schnell seine Finger über die Saiten huschten. In der Tat: als das Orchester nach einer halben Stunde den dritten Satz aus Johann Baptist Vanhals Konzert in D-Dur spielt, ist die Melodie wieder zu erkennen.
Zu diesem Zeitpunkt sind die kleinen Konzertbesucher mit dem Geschehen auf der Bühne vertraut. Sie wissen unter anderem, wie die Violine klingt, die Bratsche, die Oboe das Fagott und die Flöte. Sie wissen, welchen Job der Dirigent macht, dass das Orchester laut spielt, wenn er mit weit ausholenden Armbewegungen den Taktstock schwingt, dass es leise musizieren soll, wenn seine Armbewegungen eng werden und dass es langsamer werden muss, wenn sich der Dirigentenstab langsam bewegt. Dass sich das mitunter reichlich schräg anhören kann, beweisen die Musiker, als der Dirigent ein Mädchen aus dem Publikum auf die Bühne holt. Sie bewegt den Stock langsam, zu langsam für das Musikstück. Viel temporeicher war es da zuvor schon bei dem Nachwuchsdirigenten Roland zugegangen.
Am Ende der Veranstaltung ist Barbara Günther sichtlich zufrieden. Die Stadträtin ist Mitglied der Agendagruppe Gemeinsinn, über sie ist der Kontakt zu Klaus Breuninger entstanden. "Man konnte es nicht erwarten. Aber es freut uns natürlich, dass so viele gekommen sind."